Geschichte

Kurze Geschichte der Seglervereinigung Einheit Werder 1952 e.V.

Am Vorweihnachtsabend des Jahres 1952 wurde unsere Seglervereinigung gegründet und gehörte nacheinander als „Sektion Segeln“ verschiedenen Betriebssportgemeinschaften (BSG) der Stadt Werder (Havel) an.

Bootsgarage (1953)

Bootsgarage (1953)

Die erste Saison starteten die Gründungsmitglieder 1953 mit nur zwei Jollen in einer ausgebauten Garage mit Schmalspur-Slipanlage in der Adolf-Damaschke-Straße. In dieser Zeit bargen sie auch das Wrack eines Kielbootes aus dem Glindower See, das wegen Materialmangels jedoch nie komplett fertiggestellt werden konnte.

1955 zogen die Sportfreunde mit ihren mitlerweile vier Jollen auf die Insel – Werders Altstadt: In der Fischerstrasse wurde eine offene Halle bezogen, die früher als Sommerausschank einer Gaststätte diente und sogar über einen kleinen Dampferanlegesteg verfügte. Langsam wurde die Halle wetterfest gemacht, der Steg umgebaut und eine eigene Slipanlage errichtet.

Fünf Jahre nach der Gründung hatte die Sektion Segeln 46 Mitglieder und besaß insgesamt 16 segelklare Boote. Seit 1959 existierte sie als Sektion Segeln in einer gemeinsamen BSG „Einheit“ der Stadt Werder. Doch im Herbst 1960 zogen dunkle Wolken auf: Der Pächter zwang die Sportfreunde ihr bisher genutztes Gelände zu räumen, wodurch diese – nunmehr ohne Bootshaus – auf der Strasse saßen. Als sich auch im neuen Jahr keinerlei Hilfe zeigte, schrieb der Sektionsgründer und -leiter Karl Czeplak einen Beschwerdebrief an den Ministerrat der DDR. Dieser Brief schlug ein wie eine Bombe und von da an ging alles ganz schnell:
Schon im Mai 1960 standen 60.000 Mark für einen Bootshausneubau bereit. Als Gelände wurde eine tieferliegende Wiese angeboten, die als Schuttablade gedient hatte. Diese war schon seit mehreren Jahren durch Sportfreunde eingeebnet worden und wurde somit langsam immer höher. Auf dem Areal, auf dem wir noch heute zu Hause sind, war noch sehr viel zu tun: Die Sportfreunde mussten Steine heranschaffen, Dachbinder nageln und Ringanker schütten. Eine Jugendbrigade aus Potsdam mauerte noch im gleichen Jahr die Bootshalle hoch. Aber auch Sportfreunde aus Potsdam haben uns oft geholfen beim Aufbau unserer Sportstätte – zum Beispiel beim Transport von Dachsteinen aus einem Gefängnisbetrieb und dem Abladen bei Mondschein. So konnte unser Bootshaus im Jahr 1963 nach vielen geleistenten Arbeitsstunden fertiggestellt werden.

Die Arbeiten auf dem Gelände gingen jedoch weiter: Mit Hilfe der sojwetischen Armee und eines T-34 wurde die Slip-Anlage der „Elka-Werft“ abgebaut und zum Boothaus gebracht, um dort angepasst und aufgebaut zu werden. Für unseren großen Steg und das Bollwerk wurden Pfähle gerammt und Eisenbahnschwellen für die Uferbefestigung besorgt.

Die Sektion hatte immer mehr Mitglieder und so wurde 1967 mit einem Anbau für einen Versammlungsraum und sanitäre Anlagen begonnen, der 1971 fertiggestellt werden konnte. In den folgenden Jahren wurden dann die Slipanlage erneuert und unser großer Flaggenmast aufgestellt. Das Gelände wurde um zwei Gartengrundstücke ergänzt und eingefriedet und es wurden neue Stegliegeplätze geschaffen, für die die Segler im Stadtpark der Stadt Werder Holz schlagen durften.

Aber auch sportlich tat sich etwas bei den Werderaner Seglern. In den 70er Jahren hatten wir eine rege Beteiligung beim Fahrtensegeln. Auf unserem Gelände konnte das Sportabzeichen der DDR abgelegt werden und 1980 wurde der bereits 20. Preis der Stadt Werder/Havel ausgerichtet. Sogar national war unser Verein vertreten: Jens Uwe Weggässer erreichte 1983 einen 3. Platz bei den DDR-Meisterschaften der OK-Klasse.

Schon immer hat auch die Jugendarbeit eine besondere Rolle in unserem Vereinleben gespielt. Nach und nach wurden immer mehr Jollen gekauft, um der Jugend ein angemessenes Training bieten zu können. So besaßen – und besitzen wir noch heute – viele Optimisten, Cadets, OK’s und Piraten mit denen die Jugendlichen damals für die Spartakiaden trainierten und sich heute auf die verschiedensten – auch überregionalen – Regatten vorbereiten. Aber auch die Trainer müssen bei Übungsleiterlehrgängen die Schulbank drücken.
Auch durch Geld- und Sachspenden wurde die Jugendarbeit oft kräftig unterstützt. So konnte 1983 ein Motorboot für den Übungs- und Regattabetrieb erworben werden, das ein Jahr später um ein zweites Boot ergänzt wurde. 1984 konnte für die Jugendabteilung sogar ein eigener Bootsschuppen errichtet werden.

1981 unternahmen einige Sportfreunde eine Freundschaftsfahrt nach Vitkovice in der Tschechoslowakei, woraus sich ein enger Kontakt ergab. In den kommenden Jahren wurden wiederholt Besuche durchgeführt und auch an Regatten beim jeweils anderen Verein teilgenommen.
Nach der Wende suchten aber auch Westberliner Segler den Kontakt zu den Segelsektionen im Umland. Wir knüpften engere Kontakte mit der Wassersport-Vereinigung Saatwinkel und dem Segelsportverein Scharfe Lanke. Seitdem gab es viele gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und Feste. Selbst im Amrumer Segel- und Regattaverein haben wir einen Partnerverein gefunden, mit dem wir uns sogar zu einem gemeinsamen Seglerball trafen.

Die politische Wende brachte auch die Auflösung der BSG und die Selbständigkeit der Sektionen mit sich. 1990 gründeten wir deshalb einen eigenen Verein – die Seglervereinigung Einheit Werder 1952 e.V. Mit dem Stadtsportbund der Stadt Werder(Havel) existierte aber weiterhin ein Ansprechpartner in der Stadt, der auch Kontakte zu den anderen Sportvereinen herstellt. Die Stadt Werder/Havel erlaubte uns zudem, unser Vereinsgelände auch in den nächsten 15 Jahren zu sehr günstigen Konditionen zu nutzen.

Die Erneuerung machte auch vor unserem Klubhaus nicht halt, das von 1995 bis 1998 umgebaut wurde. Wir setzten ein Dachgeschoss auf und alle Räume und technischen und sanitären Anlagen wurden komplett restauriert und modernisiert.

Im Januar 2000 gab es dann eine kleine große Sensation: Die damals 18jährige Susan Kagel nahm mit ihrer „Europe“-Einmannjolle an den Weltmeisterschaften in Bahia, Brasilien, teil.

Im Jahr 2003 besteht unser Verein nun also schon 50 Jahre. Und noch immer gibt es viel zu tun: Zum einen müssen die Gebäude und die Außenanlagen weiter in Stand gesetzt und erhalten werden. Aber auch das Vereinsleben muss gepflegt werden: Es gilt alte Traditionen am Leben zu erhalten und andere – in der heutigen Zeit vielleicht fast vergessene – wiederzubeleben.

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