Seit 10 Jahren bin ich nun schon in der Bootsklasse Contender https://contenderclass.de/ unterwegs. Was ich mir dabei schon immer mal anschauen wollte, ist das Revier vor Medemblik. Vom Segelboot aus natürlich. Eine 2020 angesetzte Weltmeisterschaft (WM) wurde pandemie-bedingt gecancelt. Jetzt hatte ich 2 Jahre keine Pinne mehr angefasst. Mal wieder alles nicht ideal.
Immerhin hatte ich darauf hingearbeitet, mir bei der diesjährigen WM einen Rückzieher zu erschweren. Neue Persenning, neue Trapezhose, Platz in einer FeWo mit alten Bekannten aus Leipzig und mein neues Schwert wurde pünktlich zur Vermessung aus Kiel mitgebracht. Das Alte hatte ich bei einer Kenterung auf dem Templiner See abgebrochen.
Stichwort Vermessung (Überprüfung des Sportgerätes hier Segelboot bei einer hochwertigen Regatta), das kann einen schon mal den ganzen Tag beschäftigen. Man baut das Boot komplett auseinander. Der Rumpf wird leergeräumt gewogen. Ebenso der Mast, Gewicht der Mast-spitze, Schwert und Ruder, bei denen zudem noch eine Schablone angelegt wird.
Das „Practice Race“ verläuft noch recht moderat. Da sind jedoch die Prognosen für die ersten beiden Wettkampftage. Grundwind 18-20 kts, Böenspitzen von 25-27 kts. Das Revier vor Medemblick gilt wegen der Wassertiefe und der Welle als Mastenkiller.
Und tatsächlich fühlt sich der erste Tag an, als sollte mir mein vermuteter Größenwahn bestätigt werden. Es „langsam angehen zu lassen“ ist schon beim Rausfahren keine Option. Wenn der Contender losrennt, rennt er los. Und selbst mit flatterndem Segel ist das Boot kaum zu halten. Immerhin treibt erst das Abfallmanöver an Tonne 1 die Baumnock in eine Welle und zwangs-läufig das Segel hinterher. Nach 3-maligen Aufrichten nach Kenterung gibt hier der Klügere mal nach und fährt rein. Über ein Drittel des Feldes traf eine ähnliche Entscheidung.
Tag 2 ist schon mehr Routine und das Ego baut sich auf. Am Ende des Tages sind die gestarteten Wettfahrten gesegelt. Boot, Mast und Segel heile, die blauen Flecken des Seglers mal außen vor.
Tag 3 sieht deutlich weniger Wind. Zeit sich nach dem reinen Überleben auch mal dem klassischen Regattasegeln zu widmen. Allerdings sehen das knallhart alle so. Geschenkt wird einem auf dieser Veranstaltung nichts, und zwar in keinem Teil des Feldes. WM eben. Dabei werden auch die Windprognosen der Folgetage eine Rolle gespielt haben. Und tatsächlich hängt den ganzen 4.Tag „Startverschiebung“ traurig am Flaggenmast.
Am letzten Wettfahrttag setzt sich die Warterei fort. Allerdings diesmal auf dem Wasser. Letzte Startmöglichkeit ist 15.00 Uhr und die Wettfahrtleitung startet in allerletzter Minute ein Startverfahren. Wie erwartet (und vermutlich von der Wettfahrt-leitung kalkuliert), mündet dies in einem Massenfrühstart und allgemeinen Rückruf. Damit ist die WM 2026 dann zu Ende.
Uwe Herrmann
auf GER 363 „Möbelstück“

